Klavierabend mit Leandro Christian:
Zum 4. Büdesheimer Schlosskonzert hatten der Förderkreis Büdesheimer Schlosskonzerte und die Musikschule in das Dorfgemeinschaftshaus Oberdorfelden eingeladen. Unter dem Titel „Hommage à Clara Schumann“ erinnerte man sich im vollbesetzten Saal an den 130. Todestag von Clara Schumann, die stets fürchtete, schon zu Lebzeiten vergessen zu werden. Für das Konzert konnte der indonesische Pianist Leandro Christian gewonnen werden, der derzeit an der Musikschule unterrichtet.
Musikschulleiter Christoph Möller konnte zu diesem Konzert auch Carina Wacker, die amtierende Bürgermeisterin Schönecks sowie die Nidderauer Kulturbeauftragte Julia Huneke begrüßen. Roswitha Neuffer, die 1. Vorsitzende des Förderkreises gab eine Einführung in Clara Schumanns Verbindung zu Büdesheim: Deren Tochter Elise Schumann, die als Gesellschafterin der Gräfin von Oriola im Neuen Schloss lebte, heiratete 1877 in der Büdesheimer Andreaskirche, 1892 besuchte Clara Schumann ein letztes Mal Büdesheim. Das umfassend dokumentierte Leben und Wirken von Clara Schumann, der ersten hauptberuflichen Konzertpianistin, Komponistin und ab 1878 bis 1892 Klavierprofessorin an „Dr. Hoch‘s Konservatorium“ in Frankfurt, konnte nur kurz angerissen werden. Clara Schumann zog eine internationale Pianistengeneration heran, darunter besonders Schülerinnen und Schüler aus England. Sie starb am 20. Mai 1896 in Frankfurt.
Leandro Christian, aus einer indonesischen Musikerfamilie stammend, studierte in Brisbane und Zürich und hatte ein repräsentatives Programm mit Werken von Clara, ihrem Mann Robert Schumann und dem Freund der Familie Johannes Brahms ausgesucht. Er begann mit Clara Schumanns früher Ballade op. 6 Nr.4, einem hochromantischen Stück, dem die ebenso früh komponierten Balladen op. 10, Nr. 1 und 2 von Johannes Brahms folgten. Besonders eindrücklich gelang Leandro Christian die blutrünstige schottische Ballade Edward, nach der von Herder bekannt gemachten Dichtung. Die kontrastierenden Stimmen des „Sohnes“ und der „Mutter“ wurden hörbar, den Mittelteil mit dem Geständnis des Vatermordes interpretierte der ansonsten bescheiden und ohne großen Gestus spielende Leandro Christian packend.
Es folgte Robert Schumanns Faschingsschwank aus Wien op. 26. Das virtuose und facettenreiche Werk Schumanns forderte den Pianisten. Die einzelnen Sätze — vom lebhaften Allegro über die innige Romanze bis zum Finale — gestaltete Leandro Christian als Einheit. Humor blitzte auf. Den Abschluss bildeten Clara Schumanns Romanze op. 21 Nr. 1 und die Variationen op. 20 über ein Thema von Robert Schumann. Die lyrischen Variationen im letzten Werk des Abends, den Variationen op.20 über ein Thema aus Roberts „Bunten Blättern“ gelangen anrührend. Mit dem indonesischen Stück „Ein schönes Lied“ verabschiedete sich Leandro Christian von seinem herzlichen Beifall spendenden Publikum.
Das letzte Büdesheimer Schlosskonzert der Saison 2026 findet am 29. November um 17 Uhr in der Ev. Andreaskirche Büdesheim statt. Zu Gast ist das Trio Fortepiano mit seinem Programm „Wiener Zeiten“.