Gitarrenmusik zwischen Spanien und Wien – Die Büdesheimer Schlosskonzerte starteten mit „Canciones y Danzas“ und dem Gitarristen Tristan Angenendt in die neue Saison. In ihrer Begrüßung wünschte Roswitha Neuffer, die 1. Vorsitzende des Förderkreis Büdesheimer Schlosskonzerte dem Publikum im Oberdorfelder Dorfgemeinschaftshaus viel Freude. Die Kammermusikreihe sei ein Garant auf Musik als Balsam für die Seele. Zu Gast war nach neun Jahren erneut Gitarrist Tristan Angenendt. Der vielfach ausgezeichnete Musiker – der inzwischen eine Gitarrenklasse an der Musikhochschule Rostock leitet – präsentierte ein Programm, das die stilistische Spannbreite der Gitarre zwischen Spanien und Wien zeigte. Bereits in seiner Begrüßung wies er auf eine Premiere hin: Das erste Konzert mit seiner neuen Gitarre, einem Nachbau des von Miguel Llobet gespielten historischen Instruments gebaut 1858 von Antonio Torres.

Angenendt startete zunächst mit Manuel de Fallas „Hommenaje“, als Verbeugung vor dem zuvor verstorbenen Claude Debussy entstanden. Ein musikalisches Grabmal in Form einer Habanera, ein musikalisches Schwergewicht das impressionistische Farben und barocke Formen mit dem spanischen Lied und einem Zitat Debussy verbindet. Tristan Angenendt spielte mit großer Ruhe und klanglicher Präzision – ein Einstieg, der sofort den besonderen Klang seiner Gitarre hörbar machte. Mit den Schubert-Liedbearbeitungen von Johann Kaspar Mertz führte Angenendt das Publikum in das Wien des 19.Jahrhunderts, als die Gitarre eine regelrechte Blütezeit erlebte. Die sechs Lieder – von „Liebesbotschaft“ bis „Ständchen“ – zeigten, wie kunstvoll Mertz die lyrische Sprache Franz Schuberts auf die Gitarre übertrug. Angenendt interpretierte den anspruchsvollen Notentext – sowohl Gesangspart als auch Klavierbegleitung in einem Gitarrensatz– absolut souverän.

Einen Höhepunkt bildete Joaquín Rodrigos „Invocación y Danza“, einer Hommage an Manuel de Falla, wie Tristan Angenendt in seiner Moderation erläuterte. Die geheimnisvolle, schwebende, außerordentlich farbenreiche „Invocación“ (Beschwörung) ging über in eine rhythmisch pulsierende „Danza“. Die Verbindung von Flamenco-Anklängen und moderner Harmonik entfaltete sich in dieser packenden Interpretation. Mit den „6 Schumann’schen Liedern“ der jungen Wiener Komponistin Margit Gruber, entstanden 2025 im Auftrag des Künstlers, erhielt das Programm ein Gegenstück zu den Schubert’schen Liedern, eine Uraufführung in dieser Form. Grubers respektvolle Annäherung an Clara Schumanns Opus 13 griff deren Klangsprache auf und schuf eine gelungene Adaption. Bevor er an das letzte Stück ging, bedankte sich Tristan Angenendt ausdrücklich bei Musikschule und Förderkreis für das über Jahre andauernde Engagement und den herzlichen Empfang. Für Künstler seien Konzertreihen wie diese sehr wichtig.

Zum Finale erklangen Miguel Llobets Variationen über ein Thema von Fernando Sor, basierend auf dem „Folía“-Thema. Tristan Angenendt zeigte hier noch einmal die ganze Bandbreite seines Könnens – die virtuosen Passagen begeisterten das Publikum. Die besondere Klangqualität der Torres-Gitarre mit ihrer Klarheit und dem Farbenreichtum aller Register verlieh dem Konzert eine ganz besondere Note. Mit der inoffiziellen Hymne Kataloniens als zweiter Zugabe verabschiedete sich Tristan Angenendt vom restlos begeisterten Publikum.

Das 2. Büdesheimer Schlosskonzert findet am 3. Mai 2026 um 17 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Oberdorfelden unter dem Titel „Musik in extremen Zeiten“ mit dem Flötisten Christoph Dorner und dem Pianisten Martin Schmalz statt.